FINANCE Real Estate

Immobilienmarkt: Die Schweiz verliert an Attraktivität

In der PwC-Rangliste der Immobilieninvestitionen in den wichtigsten Städten für das Jahr 2015 steigt Zürich vom 6. auf den 25. Rang ab, wohingegen Berlin München vom 1. Platz vertreibt

Hatte die Schweiz zwar bislang den Ruf, gegen die in regelmäßigen Abständen auftretenden Schwankungen der Eurozone immun zu bleiben, so scheint sie auf dem europäischen Immobilienmarkt jetzt jedoch an Attraktivität einzubüßen, und Deutschland konnte an die Führungsspitze der Rangliste der Länder vorrücken, die bei Investoren hoch im Kurs stehen. Gemäß des von PwC und Urban Land Institute veröffentlichten Berichts “Emerging Trends in Real Estate Europe 2015” steigt Zürich von Rang 6 auf Rang 25 ab und verliert somit insgesamt 19 Positionen, wohingegen Berlin Rang 1 erobert und damit München, das im laufenden Jahr die besten Investitionschancen bot, den Rang abläuft.

“Genf und Zürich verzeichnen extrem hohe Immobilienpreise, der Kauf von Immobilien in diesen beiden Städten erfolgt unter ungünstigsten Bedingungen, die Rückkehr des investierten Kapitals verzögert sich und Unsicherheit bezüglich eben dieser Rückkehr macht sich breit. Es handelt sich somit um Städte, in denen Investitionen mit Aussichten auf Rendite nicht mehr möglich sind”, erklärt Elisabetta Caldirola, Partnerin von PwC Italia Real Estate Leader, die hinzufügt, dass der Schweizer Markt zudem auch negativ “vom Willen der Schweizer beeinflusst werden könnte, auch qualifizierter Immigration ein Limit zu setzen, was wiederum zu einer niedrigeren Nachfrage nach Wohnraum führen würde und gleichzeitig zu einer Senkung der Immobilienpreise.“ Bereits jetzt macht sich eine Schrumpfung des Immobilienmarktes bemerkbar. “In Zürich sind die Mietpreise leicht gesunken”, fährt Frau Caldirola fort. “Zürich und Umgebung stellen das Zentrum der Finanzen und der Biotechnologie dar; viele Firmen haben ihre Büros dorthin verlegt”, liest man in dem Bericht, der jedoch weiter erläutert, dass “diese beiden Beschäftigungsbereiche in hohem Maße von ausländischen Arbeitnehmern abhängen” und dass sich die “wachsenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Arbeitsgenehmigungen negativ auf die Belegung dieser Büroräume auswirken könnte.” Laut Frau Caldirola wird der gesamte Schweizer Immobilienmarkt, also sowohl Mieten als auch Verkauf, hiervon betroffen sein.

Sieht man einmal von dem nicht gerade freundschaftlichen Klima ab, das Einwanderer in der Schweiz vorfinden, gibt es einen weiteren Faktor, der negative Folgen haben könnte, und zwar die Furcht, dass die Schweiz ihre Attraktivität als Mittelpunkt der Finanzwelt einbüßen könnte. In diesem Zusammenhang könnte die Einführung der “Voluntary Disclosure” in Italien, der freiwilligen Offenlegung von italienischem Kapital, das illegal ins Ausland gebracht wurde bzw. dessen nachfolgende Rückkehr nach Italien, ein schwerer Schlag für die Schweiz darstellen. Während die Schweiz also ihre Attraktivität verliert, schauen die Investoren mit unverändert starkem Interesse nach Deutschland und vor allem nach Berlin, das europaweit die besten Investitionsaussichten bietet. “In der Vergangenheit waren es hauptsächlich einheimische Käufer, jetzt, dank des Zuflusses von Auslandskapital, hat sich der Investitionstrend in Berlin gewandelt: Viele junge Leute haben Berlin, das sich zu einer Medien- und Technologiehochburg entwickelt hat, zu ihrer Wahlheimat erkoren, was wiederum die Attraktivität des Wohnsektors dieser Stadt vergrößert”, liest man in der Studie des PwC, die im übrigen auch ein neu erwachtes Interesse an Investitionen in all jenen Städten bemerkt, die am stärksten von der Wirtschaftsrezession betroffen sind. In der europäischen Rangliste des Jahres 2015 findet man unter den ersten 15 Topmärkten für Immobilieninvestitionen Städte wie Madrid, das 16 Stellen hinzugewinnt und die “Bronzemedaille” erlangt (hinter Dublin, das seinen 2. Platz erfolgreich verteidigt) und Athen, das Rang 5 erobert und dabei 23 Stellen gewinnt. Auch Lissabon, 9. Platz (+ 17) und Mailand, 12. Platz (+ 9) schneiden gut ab.
In den Augen ausländischer Investoren könnte Italien von der Bilanzreinigung profitieren, zu der die italienischen Banken angesichts der strengen Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) gezwungen wurden und bei der eine große Anzahl von Problemkrediten, die sich momentan noch im Portfolio der italienischen Banken befinden, auf den Markt geworfen werden. Andererseits besteht immer noch eine gewisse Skepsis unserem Land gegenüber, die auf der Furcht vor politischer Instabilität und bürokratischen bzw. rechtlichen Hürden beruht, die eventuelle Investoren abschrecken könnten.

London hingegen fällt aufgrund der intensiven Nachfrage, die in den letzten Jahren für ein Ansteigen der Preise gesorgt hat, vom 5. auf den 10. Platz ab.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der europäische Immobilienbereich weiterhin attraktiv bleibt. 70% der Anleger sehen einen größeren Fluss von Risiko- und Schuldkapital voraus, das nach Renditen Ausschau hält, die lukrativer sind als die der Aktienmärkte und Obligationen. Die Analyse zeigt für das Jahr 2015 zwei Tendenzen auf. “An erster Stelle der wachsende Mangel an qualitativ anspruchsvollen Wohnungen in den wichtigsten europäischen Städten: ein bedeutender Trend, der den Immobilienmarkt der unmittelbaren Zukunft charakterisieren wird”, so Frau Caldirola. Aber auch der Nachhaltigkeitsfaktor, die immer intensivere Suche nach “Energieeffizienz seitens der Anleger”, so die Partnerin von PwC Italia Real Estate Leader in ihrer Schlussbilanz.
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